
Wer sich nach "der" Warteliste für eine Genossenschaftswohnung in Berlin erkundigt, stellt eine Frage, die es so eigentlich nicht gibt. Die Praxis der rund 100 Berliner Genossenschaften ist erstaunlich uneinheitlich.
Laut einer Analyse des Tagesspiegel ist die Aussagekraft von Wartelisten bei Berliner Wohnungsgenossenschaften begrenzt. Manche Genossenschaften nehmen regelmäßig neue Mitglieder auf, andere so gut wie nie. Wer also von einer einzigen Genossenschaft eine Absage bekommt, weiß damit noch nichts über die eigenen Chancen bei den anderen rund 99 Genossenschaften der Stadt.
Die Berliner Baugenossenschaft (bbg) hat laut Tagesspiegel ein digitales Bewerbungsformular eingeführt, um aktiv neue Wohnungssuchende zu erreichen, ein klares Zeichen für aktive Neuaufnahme. Die Wohnungsbaugenossenschaft VORWÄRTS eG dagegen kommuniziert offen auf ihrer eigenen Seite, dass sie aktuell keine Neumitglieder aufnimmt, weil bereits eigene Wartelisten für viele Wohnanlagen laufen. Beide sind reale, aktive Berliner Genossenschaften, mit fast gegensätzlicher Aufnahmepraxis zur gleichen Zeit.
Jede Genossenschaft verwaltet ihren eigenen Wohnungsbestand und ihre eigene Satzung. Größere Genossenschaften mit mehr Fluktuation im Bestand können öfter neue Mitglieder aufnehmen als kleinere Genossenschaften mit wenig Leerstand. Auch die Nachfrage nach bestimmten Lagen oder Wohnungsgrößen spielt eine Rolle: begehrte Kieze haben tendenziell mehr Bewerbungen als weniger nachgefragte Gegenden.
Statt sich auf eine einzelne Genossenschaft und deren aktuelle Warteliste zu verlassen, lohnt sich ein breiterer Ansatz: mehrere Genossenschaften parallel anschreiben, nach dem tatsächlichen aktuellen Status fragen, statt sich auf ältere Informationen zu verlassen, und regelmäßig nachfragen, da sich die Praxis ändern kann. Wie die Anmeldung bei einer Genossenschaft konkret abläuft, zeigt unser Anmeldung-Guide, und was zu tun ist, wenn eine Genossenschaft gerade keine neuen Mitglieder aufnimmt, erklärt unser Berlin-Genossenschafts-Guide.
Nein. Die Aufnahmepraxis unterscheidet sich laut Tagesspiegel stark zwischen den rund 100 Berliner Genossenschaften.
Das hängt unter anderem von der Größe des Bestands, der Fluktuation und der aktuellen Auslastung der jeweiligen Genossenschaft ab.
Ja, am zuverlässigsten durch direkten Kontakt zur jeweiligen Genossenschaft, da sich die Praxis wie im Beispiel der Berliner Baugenossenschaft auch kurzfristig ändern kann.
Es gibt keine feste Zahl, aber da es in Berlin rund 100 Genossenschaften gibt und die Praxis stark variiert, erhöht ein breiterer Ansatz realistisch die Chancen.
Ja. Genossenschaften können ihre Aufnahmepraxis anpassen, etwa wenn neue Wohnungen fertiggestellt werden oder sich die Nachfrage ändert.