Historische cremefarbene Altbaufassaden entlang einer deutschen Straße.

Kategorie

Mietwohnung

Artikel von

Waitly

March 17, 2026

SCHUFA für Neuankömmlinge: Wohnung mieten ohne deutsche Kredithistorie

Wer gerade erst nach Deutschland gezogen ist, hat keine schlechte SCHUFA, sondern gar keine. Die SCHUFA wertet nur Daten aus Verträgen aus, die in Deutschland abgeschlossen wurden: Bankkonto, Handyvertrag, Kredite. Ohne diese Verträge existiert schlicht keine Akte, kein negativer Eintrag und kein Score. Das Problem für Neuankömmlinge ist deshalb nicht die eigene Bonität, sondern dass Vermieter eine leere Akte oft mit einem Risiko verwechseln.

Keine Daten sind kein negativer Eintrag

Die SCHUFA sammelt ausschließlich Informationen aus Verträgen mit angeschlossenen Unternehmen in Deutschland: Banken, Mobilfunkanbieter, Kreditgeber, Versandhändler. Schulden oder Zahlungsausfälle aus dem Ausland tauchen dort nicht auf, weil die SCHUFA keinen Zugriff auf ausländische Register hat. Wer also frisch eingereist ist, hat schlicht noch keine Historie aufgebaut, weder eine gute noch eine schlechte.

Für Vermieter ist das in der Praxis trotzdem ein Problem, weil sie eine leere oder sehr dünne Auskunft nicht von einer echten Zahlungsstörung unterscheiden können, wenn niemand ihnen den Unterschied erklärt. Ein kurzer, sachlicher Hinweis in der Bewerbung, dass die dünne Akte am Einreisedatum liegt und nicht an früheren Zahlungsproblemen, hilft an dieser Stelle mehr als jedes zusätzliche Dokument.

Der neue SCHUFA-Score seit März 2026

Seit dem 17. März 2026 hat die SCHUFA ihr Bewertungssystem umgestellt. Statt des bisherigen Basisscores in Prozent gibt es jetzt einen einzigen Punktwert zwischen 100 und 999, der auf zwölf erstmals öffentlich einsehbaren Kriterien beruht. Die Bewertungsklassen selbst blieben unverändert: hervorragend, gut, akzeptabel, ausreichend und ungenügend, wobei die Klasse "hervorragend" laut Verbraucherzentrale bei 776 bis 999 Punkten beginnt.

Für jemanden ohne deutsche Vertragshistorie ändert die Umstellung wenig am Grundproblem: Ohne Daten gibt es keinen aussagekräftigen Punktwert, unabhängig davon, ob die Skala in Prozent oder in Punkten angegeben wird. Wichtig zu wissen ist trotzdem, dass zum Start nur ein Teil der Vertragspartner, laut Verbraucherzentrale rund ein Viertel, den neuen Score überhaupt nutzt, sodass Vermieter je nach genutzter Auskunftei-Anbindung noch unterschiedliche Darstellungen sehen können.

Wie lange dauert es, eine nutzbare Akte aufzubauen

Eine SCHUFA-Historie entsteht, sobald die ersten deutschen Vertragsdaten gemeldet werden. Ein deutsches Bankkonto und ein Mobilfunkvertrag sind die schnellsten Wege dahin, weil Banken und Mobilfunkanbieter ihre Daten regelmäßig an die SCHUFA melden. Bis daraus eine für Vermieter verwertbare Auskunft wird, vergehen üblicherweise mehrere Monate, in denen die Akte von leer zu dünn zu belastbar wächst.

Das bedeutet, dass die SCHUFA für die erste Wohnung nach dem Umzug in aller Regel keine Lösung ist. Für diesen Zeitraum zählen andere Nachweise mehr als eine Bonitätsauskunft, die ohnehin noch keine aussagekräftigen Daten enthält.

Welche Nachweise stattdessen zählen

Ein unterschriebener Arbeitsvertrag mit Gehaltsangabe zeigt Vermietern ein laufendes, planbares Einkommen, auch ohne SCHUFA-Historie. Kontoauszüge der letzten Monate, auch von einem ausländischen Konto, belegen regelmäßige Gehaltseingänge und ein positives Guthaben. Eine schriftliche Referenz des bisherigen Vermieters, notfalls übersetzt, bestätigt pünktliche Mietzahlungen aus der Zeit vor dem Umzug.

Wo diese Nachweise nicht ausreichen, bietet sich eine Bürgschaft an: Eine Person mit deutscher Bonität, häufig ein Arbeitgeber, ein Familienmitglied mit Wohnsitz in Deutschland oder in manchen Fällen eine Mietkautionsversicherung, übernimmt die Haftung für die Mietzahlungen. Eine zusätzliche Barkaution über das gesetzlich zulässige Maß hinaus dürfen Vermieter dafür nicht verlangen: Nach § 551 BGB darf die Kaution höchstens das Dreifache der Kaltmiete betragen, unabhängig davon, ob eine SCHUFA-Auskunft vorliegt oder nicht.

Fazit

Eine fehlende SCHUFA-Historie ist bei der ersten Wohnung in Deutschland eher die Regel als die Ausnahme unter Neuankömmlingen, kein Zeichen mangelnder Zahlungsfähigkeit. Wer das in der Bewerbung klar benennt und stattdessen Arbeitsvertrag, Kontoauszüge, eine frühere Vermieterreferenz oder eine Bürgschaft vorlegt, kann die Lücke überbrücken, bis nach einigen Monaten eine eigene SCHUFA-Akte entsteht.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine leere SCHUFA-Auskunft dasselbe wie eine schlechte?

Nein. Eine leere Auskunft bedeutet, dass keine Daten vorliegen, während eine schlechte Auskunft auf tatsächliche Zahlungsstörungen hinweist. Beides sieht auf den ersten Blick ähnlich unauffällig aus, hat aber eine völlig andere Ursache.

Wie lange dauert es, bis eine SCHUFA-Akte entsteht?

Sobald ein deutsches Bankkonto oder ein Mobilfunkvertrag besteht, beginnt die SCHUFA, Daten zu sammeln. Bis daraus eine für Vermieter verwertbare Auskunft wird, vergehen üblicherweise mehrere Monate.

Was ändert der neue SCHUFA-Score seit März 2026 für Neuankömmlinge?

Die Skala wechselte von einem Prozent-Basisscore zu einem Punktwert zwischen 100 und 999 auf Basis von zwölf offengelegten Kriterien. Ohne deutsche Vertragshistorie bleibt der Punktwert aber weiterhin nicht aussagekräftig, unabhängig von der Skala.

Darf ein Vermieter wegen fehlender SCHUFA eine höhere Kaution verlangen?

Nein. Die Kaution ist nach § 551 BGB unabhängig von der SCHUFA-Situation auf höchstens das Dreifache der Kaltmiete begrenzt. Als Alternative zu einer höheren Kaution kommt stattdessen eine Bürgschaft infrage.

Welches Dokument ersetzt die SCHUFA am ehesten?

Ein aktueller Arbeitsvertrag mit Gehaltsangabe zusammen mit Kontoauszügen der letzten Monate kommt einer SCHUFA-Auskunft in der Aussagekraft am nächsten, weil beide ein laufendes, planbares Einkommen belegen.

Wer als Ausländer generell in Deutschland eine Wohnung sucht, findet einen breiteren Überblick in Wohnungssuche in Deutschland: Tipps für Ausländer. Wie eine SCHUFA-Auskunft grundsätzlich in die Bewerbung gehört, erklärt SCHUFA bei Wohnungssuche: Bedeutung und Tipps. Welche Fragen ein Vermieter in der Mieterselbstauskunft überhaupt stellen darf, zeigt Mieterselbstauskunft: welche Fragen sind erlaubt?. Zum Start der eigenen Suche hilft die Waitly Suche.