Wohnstraße mit Reihenhäusern in einer deutschen Stadt.

Kategorie

Immobilienmarkt

Artikel von

Waitly

April 17, 2026

Kaution zurückfordern: So setzen Sie Ihren Anspruch notfalls durch

Reagiert der Vermieter auf Nachfragen zur Kaution gar nicht mehr, hilft eine weitere Erinnerung meistens nicht. Es gibt einen klar strukturierten Weg, den eigenen Anspruch notfalls auch ohne Anwalt gerichtlich durchzusetzen.

Schritt 1: Schriftliche Fristsetzung

Der erste Schritt ist eine schriftliche Zahlungsaufforderung mit einer konkreten Frist, üblicherweise 10 bis 14 Tage. Darin sollte der genaue Betrag, das Datum der Wohnungsübergabe und ein Hinweis auf die bereits abgelaufene übliche Prüffrist stehen. Diese Fristsetzung ist wichtig, weil sie den Vermieter formal in Verzug setzt und die Grundlage für die nächsten Schritte bildet.

Schritt 2: Der Mahnbescheid

Reagiert der Vermieter innerhalb der gesetzten Frist nicht, kann beim zuständigen Mahngericht ein Mahnbescheid beantragt werden. Grundlage dafür ist das gerichtliche Mahnverfahren nach § 688 ZPO, das für Geldforderungen in bestimmter Höhe vorgesehen ist. Der Mahnbescheid wird dem Vermieter zugestellt, der dann zwei Wochen Zeit hat, entweder zu zahlen oder Widerspruch einzulegen.

Schritt 3: Was nach dem Mahnbescheid passiert

Legt der Vermieter innerhalb der zwei Wochen keinen Widerspruch ein, kann ein Vollstreckungsbescheid beantragt werden, mit dem sich die Forderung notfalls über einen Gerichtsvollzieher durchsetzen lässt. Legt der Vermieter dagegen Widerspruch ein, geht das Verfahren in ein reguläres Klageverfahren über, das je nach Streitwert beim Amtsgericht verhandelt wird.

Wann eine Klage der direktere Weg ist

Ist von vornherein absehbar, dass der Vermieter Einwände gegen die Höhe der Forderung erheben wird, etwa weil er auf angebliche Schäden verweist, kann eine direkte Zahlungsklage schneller zum Ziel führen als der Umweg über das Mahnverfahren, weil sie den Streit sofort inhaltlich klärt statt ihn nur zu verzögern.

Wo Unterstützung zu finden ist

Vor jedem dieser Schritte lohnt sich eine Beratung beim örtlichen Mieterverein, der die Erfolgsaussichten einschätzen und bei der Formulierung der Fristsetzung oder des Mahnantrags helfen kann. Auch eine Rechtsschutzversicherung kann die Kosten eines anwaltlichen Vorgehens übernehmen, wenn eine außergerichtliche Einigung nicht gelingt.

Fazit

Der Weg zur Durchsetzung einer nicht zurückgezahlten Kaution führt über eine schriftliche Fristsetzung, dann gegebenenfalls einen Mahnbescheid und im Streitfall eine Klage. Wer diese Reihenfolge einhält, dokumentiert außerdem lückenlos, dass er dem Vermieter ausreichend Gelegenheit zur freiwilligen Zahlung gegeben hat.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der erste Schritt, wenn die Kaution nicht zurückgezahlt wird?

Eine schriftliche Zahlungsaufforderung mit konkreter Frist, üblicherweise 10 bis 14 Tage.

Was ist ein Mahnbescheid?

Ein gerichtliches Verfahren nach § 688 ZPO, mit dem eine Geldforderung ohne vorherige mündliche Verhandlung geltend gemacht werden kann.

Was passiert, wenn der Vermieter Widerspruch einlegt?

Das Verfahren geht in ein reguläres Klageverfahren über, das je nach Streitwert beim Amtsgericht verhandelt wird.

Wann ist eine direkte Klage sinnvoller als ein Mahnbescheid?

Wenn absehbar ist, dass der Vermieter der Forderung inhaltlich widersprechen wird, etwa wegen angeblicher Schäden.

Wer nach dem Auszug direkt weitersucht, findet aktuelle Angebote über die Waitly Suche. Zu den Fristen für die Kautionsrückforderung siehe Verjährung der Kautionsrückforderung. Wenn der Vermieter trotz Übergabeprotokoll einbehält, gilt eine Besonderheit, siehe Kaution trotz Übergabeprotokoll einbehalten: Was gilt?. Zu den zulässigen Abzügen selbst siehe Kaution einbehalten: Rechte des Vermieters.