
Die Polizei Hamburg hat eine konkrete Betrugsmasche bei Wohnungsanzeigen öffentlich beschrieben, die gezielt Menschen auf Wohnungssuche in der Hansestadt trifft. Nach aktuellem Ermittlungsstand haben die Täter dabei bereits mehr als 400.000 Euro von Wohnungssuchenden erbeutet. Wer den genauen Ablauf kennt, erkennt die Falle, bevor Geld überwiesen wird.
Laut der Beschreibung der Polizei Hamburg inserieren die Täter Wohnungen auf Online-Plattformen und in sozialen Medien, die entweder gar nicht existieren oder nicht zur Vermietung verfügbar sind. Interessenten, die sich melden, werden unter dem Namen einer im Handelsregister eingetragenen Immobilienverwaltung per E-Mail kontaktiert, anschließend läuft der Austausch telefonisch weiter.
Für die Besichtigung wird den Betroffenen der Standort eines Schlüsseltresors mitgeteilt, sodass sie die Wohnung häufig allein besichtigen, ohne dass ein echter Vermieter anwesend ist. Danach werden sie aufgefordert, eine SCHUFA-Auskunft einzureichen und einen online übersandten Mietvertrag zu unterschreiben. Nach Vertragsabschluss verlangen die Täter verschiedene Zahlungen, etwa Kaution, erste Miete und teils eine Abstandszahlung für vorhandenes Mobiliar, auf ein deutsches Konto. Danach ist das Geld weg.
In einer zweiten, von der Polizei beschriebenen Variante geben sich die Täter als Vermieter aus und behaupten, im Ausland zu sein, sodass keine persönliche Besichtigung möglich sei. Stattdessen fordern sie eine Vorauszahlung oder Kaution, bevor angeblich die Schlüssel verschickt werden.
Neben dem finanziellen Schaden nutzen manche Täter die Gelegenheit auch für Identitätsdiebstahl. Sie verlangen Ausweiskopien oder ein Video-Identifikationsverfahren, um vermeintliche Mietverträge auszustellen. Mit den gestohlenen Daten können sie anschließend Bankkonten eröffnen oder weitere Betrugstaten begehen.
Die Polizei Hamburg nennt konkrete Anzeichen, an denen sich eine unseriöse Wohnungsanzeige erkennen lässt:
Ein unrealistisch niedriger Preis für die Lage
Fotos, die zu perfekt wirken oder nicht zum Standard der Umgebung passen
Ein angeblicher Vermieter, der im Ausland ist und nicht persönlich erscheinen kann
Eine ausländische Bankverbindung, deren IBAN nicht mit "DE" beginnt
Eine Telefonnummer, unter der eine fremde Person antwortet
Der Vorschlag, den Schlüssel gegen Barzahlung oder per Nachnahme zu versenden
Konkrete Schutzmaßnahmen, die die Polizei Hamburg empfiehlt:
Bestehen Sie auf einem persönlichen Treffen mit dem Vermieter vor jeder Zahlung
Seien Sie misstrauisch, wenn das Angebot zu günstig wirkt und eine persönliche Besichtigung angeblich nicht möglich ist
Recherchieren Sie die Kontaktdaten der genannten Hausverwaltung eigenständig, statt nur die in der Anzeige angegebenen zu nutzen
Überweisen Sie kein Geld im Voraus, bevor ein Mietverhältnis rechtssicher zustande gekommen ist
Fragen Sie, wenn möglich, andere Bewohner des Hauses nach der Wohnung
Erstatten Sie bei einem Betrugsverdacht Anzeige, etwa über die Onlinewache der Polizei Hamburg, und sichern Sie E-Mail-Verkehr sowie Screenshots als Beweise
Die von der Polizei Hamburg beschriebene Masche funktioniert, weil sie echten Zeitdruck und echte Knappheit auf dem Hamburger Mietmarkt ausnutzt. Wer aber auf einer persönlichen Besichtigung mit einem erreichbaren Vermieter besteht und vor Vertragsabschluss kein Geld überweist, entzieht der Masche die Grundlage.
An mehreren Anzeichen gleichzeitig: ein ungewöhnlich niedriger Preis, ein angeblich im Ausland befindlicher Vermieter, eine ausländische IBAN oder der Vorschlag, den Schlüssel per Post gegen Zahlung zu erhalten, statt eine reguläre Besichtigung anzubieten.
Nicht zwingend, aber die Polizei Hamburg beschreibt genau diesen Ablauf als typisches Muster bei betrügerischen Anzeigen, besonders wenn danach vor Vertragsabschluss bereits Zahlungen verlangt werden.
Erstatten Sie umgehend Anzeige bei der Polizei, etwa über die Onlinewache der Polizei Hamburg, und sichern Sie den gesamten E-Mail-Verkehr sowie Screenshots der Anzeige als Beweismittel.
Eine seriöse Vermietung verlangt keine Zahlung, bevor Sie die Wohnung gesehen und einen Mietvertrag abgeschlossen haben. Vorauszahlungen vor jeder Besichtigung sind ein zentrales Warnsignal der von der Polizei Hamburg beschriebenen Masche.
Einen umfassenden Überblick über die Wohnungssuche in Hamburg bietet unser Hamburg-Guide. Allgemeine Warnzeichen für Mietbetrug in ganz Deutschland fasst unser Mietbetrug-Ratgeber zusammen, eine weitere Einordnung liefert unser Betrugsschutz-Leitfaden. Warum eine SCHUFA-Anfrage bei der Wohnungssuche normal ist, erklärt unser SCHUFA-Guide, und auf Waitly findest du geprüfte Angebote in Hamburg.