
Wer eine Wohnung sucht, muss zwei Fragen gleichzeitig beantworten: Wie viel Miete ist finanziell gesund, und wie viel Miete traut ein Vermieter dem eigenen Einkommen überhaupt zu. Beide Fragen hängen zusammen, sind aber nicht identisch.
Als grobe Orientierung gilt: Die Nettokaltmiete sollte nicht mehr als 30 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ausmachen. Bei 2.000 Euro netto wären das rund 600 Euro, bei 3.000 Euro netto rund 900 Euro. Diese Regel ist keine gesetzliche Vorgabe, sondern eine verbreitete Faustregel, die auch Immobilienportale wie ImmoScout24 als Orientierungswert nennen.
Die Realität weicht davon oft ab. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts machte Wohnen einschließlich Energie im Jahr 2024 mit 36,3 Prozent der gesamten Konsumausgaben (durchschnittlich 309 Euro von 3.257 Euro monatlich) den mit Abstand größten Ausgabenposten deutscher Haushalte aus, deutlich über der 30-Prozent-Marke. Wer in einer teuren Stadt sucht, sollte diese Regel deshalb als Zielwert und nicht als garantierte Realität behandeln.
Die Kaltmiete ist die Grundmiete ohne Nebenkosten. Für die Budgetplanung zählt aber die Warmmiete, also Kaltmiete plus Vorauszahlung für Betriebskosten wie Heizung, Wasser und Hausmeister. Nach dem aktuellen Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbunds lagen die Betriebskosten 2024 im Schnitt bei 2,67 Euro pro Quadratmeter und Monat, mit einer Spanne bis zu 3,68 Euro bei besonders kostenintensiven Gebäuden. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung sind das im Mittel rund 160 Euro zusätzlich zur Kaltmiete, die in der 30-Prozent-Rechnung mitgezählt werden müssen.
Vermieter prüfen vor der Zusage in aller Regel, ob das Einkommen zur angebotenen Miete passt. Dafür werden typischerweise folgende Unterlagen verlangt:
Gehaltsnachweise der letzten Monate oder ein Arbeitsvertrag
Eine Mieterselbstauskunft mit Angaben zu Einkommen, Beruf und bisherigen Mietverhältnissen
Eine Schufa-Bonitätsauskunft, die die Kreditwürdigkeit bestätigt
Eine Schufa-Bonitätsauskunft für Vermieter kostet einmalig 29,95 Euro und wird als PDF oder postalisch innerhalb weniger Werktage zugestellt. Sie ist von der kostenlosen Datenkopie nach Art. 15 DSGVO zu unterscheiden, die Verbraucher einmal jährlich gratis bei der Schufa anfordern können, die aber nicht im Bewerbungsformat für Vermieter aufbereitet ist.
Monatliches Nettoeinkommen ermitteln (nach Steuern und Sozialabgaben).
Diesen Betrag mit 0,3 multiplizieren, um eine grobe Obergrenze für die Warmmiete zu erhalten.
Von einem konkreten Angebot die Kaltmiete plus die geschätzten Nebenkosten (Richtwert: 2,67 Euro pro Quadratmeter laut Mieterbund) addieren, um die tatsächliche Warmmiete zu erhalten.
Das Ergebnis mit der 30-Prozent-Grenze vergleichen und übrige Fixkosten wie Versicherungen, Kredite oder Kinderbetreuung gegenrechnen.
In vielen deutschen Großstädten reicht ein durchschnittliches Einkommen nicht aus, um dauerhaft unter der 30-Prozent-Marke zu bleiben. Das schließt eine Anmietung nicht automatisch aus, sollte aber Anlass sein, die übrigen monatlichen Ausgaben besonders genau zu prüfen und realistisch einzuschätzen, wie viel finanziellen Spielraum die restlichen 70 Prozent des Einkommens tatsächlich lassen.
Seriöse Vermieter und Vermietungsplattformen orientieren sich an der Warmmiete, da sie die tatsächliche monatliche Belastung widerspiegelt.
Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht, wird aber von den meisten Vermietern in angespannten Wohnungsmärkten als Standardnachweis verlangt.
Der Schufa-BonitätsCheck kostet einmalig 29,95 Euro und wird innerhalb weniger Werktage zugestellt.
Ja. Die Regel bezieht sich auf die Warmmiete, also Kaltmiete plus Nebenkosten-Vorauszahlung, nicht nur auf die Kaltmiete allein.